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  • Foto: Rudi Merkl
Lehrstuhl für deutsche Philologie, Ältere Abteilung

Kinderlosigkeit im Mittelalter

Kinderlosigkeit ist kein biologisches Schicksal, sondern sozial und kulturell geprägt, so lautet die zentrale These. Anknüpfend an aktuelle Diskussionen über Samenspende, Adoption, Kinderfreiheit und bereute Mutterschaft wird untersucht, wie im Mittelalter über Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit gesprochen wurde. In der Theologie, der Medizin und im Recht, aber auch in der Erzählliteratur zeichnen sich auffällige Unterschiede ab: Für die einen ist Kinderlosigkeit ein großes Problem, für die anderen ein hohes Ideal. Gefragt wird nach den Gründen für diese Wertungen und nach historischen Veränderungen. Auf diese Weise lassen sich verschiedene Erzählmuster offenlegen, die Geschichten der Kinderlosigkeit bis in die Gegenwart prägen: Das Spektrum reicht vom spät erfüllten Kinderwunsch dank göttlicher oder dämonischer Hilfe über soziale und religiöse Alternativen bis hin zur bewussten Entscheidung gegen Elternschaft und dem wunschlosen Glück innig Liebender.  

Die Monographie ‚Kinderlosigkeit. Ersehnte, verweigerte und bereute Elternschaft im Mittelalter‘ richtet sich an ein breiteres Publikum. Sie wurde von der VolkswagenStiftung als Opus Magnum gefördert und bei J.B. Metzler/Springer publiziert. Zum ebook gelangen Sie hier

Die digitale Diskussion ‚Kinderlosigkeit: Traum statt Trauma?‘, die am 18. November 2020 anlässlich des Erscheinen des Buchs in Kooperation mit dem Haus der Wissenschaft in Braunschweig stattfand, ist bei Youtube abrufbar. Zum Video gelangen Sie hier

Das interdisziplinäre Themenheft ‚Kinderlosigkeit im Mittelalter‘ der Zeitschrift ‚Das Mittelalter – Perspektiven mediävistischer Forschung‘, herausgegeben von Regina Toepfer und der Pharmaziehistorikerin Bettina Wahrig finden Sie hier.

Auf WDR 5 ‚Neugier genügt – Redezeit‘ erklärt Regina Toepfer im Gespräch mit dem Moderator Achim Schmitz-Forte, wie biblische Geschichten von Geburtswundern noch heute nachwirken, zu denken ist nur an das Jesuskind in der Krippe oder das lange Warten von Abraham und Sarah auf einen Sohn. Die am 27.12.2021 aufgezeichnete und ausgestrahlte Sendung können Sie hier nachhören.

Einem internationalen Publikum werden diese Erkenntnisse in der Studie ‚Infertility in Medieval and Early Modern Europe‘ erschlossen. Das Buch basiert auf einer bearbeiteten Version der historischen Wissensbereiche von ‚Kinderlosigkeit‘ (2020), wurde von Kate Sotejeff-Wilson in enger Zusammenarbeit mit Regina Toepfer übersetzt und 2022 bei Palgrave Macmillan publiziert. Zum ebook gelangen Sie hier.