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Institut für deutsche Philologie

Werkstattgespräche

Bericht: Panoptikum Boy – ein Leif-Randt-Medley (4.6.24)

»Alles möglichst akkurat aufschreiben, um es nicht wieder zu vergessen.« Dieser Maxime folgte Leif Randt schon 1992, als er als Neunjähriger einen dreitägigen Urlaub im Euro Disney Resort Paris möglichst vollständig im Tagebuch niederschreiben wollte. Diese Maxime sollte ihn stets begleiten. Doch wie vom Disneyland-Besuch am Ende nur einer von drei Tagen in Tagebuchform vorliegt, hält Randt sein Leben nicht durchgehend in Tagebuchform fest, sondern bisweilen im bloßen Logbuch. Das chronistische Verfahren des Tagebuchschreibens liegt seinem literarischen Schreiben jedoch stets zugrunde.

»Glamour & Behaglichkeit«

»Glamour & Behaglichkeit« – im Zentrum seiner Romane stünden diese beiden Begriffe, so Randt. So befinde er sich in Leuchtspielhaus (2009) »auf der Suche nach Glamour«, während Schimmernder Dunst über Coby County (2011) Glamour und Behaglichkeit verwirkliche. Planet Magnon (2015) gehe darüber hinaus und handle »vom Ausbleiben der Behaglichkeit«. Gegenpolig dazu drehe sich Allegro Pastell (2019) um das »Übertreiben von Behaglichkeit«. Passend zur Konstellation um die Begriffe Glamour und Behaglichkeit trägt Randt an diesem Abend Passagen aus allen vier Romanen vor: jeweils den Anfang oder das Ende. Auf den Anfang von Leuchtspielhaus – die Suche nach Glamour – folgt das Ende von Schimmernder Dunst über Coby County – die Realisation von Glamour und Behaglichkeit. Auf den Anfang von Planet Magnon – das Ausbleiben der Behaglichkeit – folgt das Ende von Allegro Pastell – das Übertreiben der Behaglichkeit.

»Schauen. Bewerten. Die Bewertung anzweifeln. Dann weiterschauen.«

Allen Texten gemeinsam ist ein Schema reflektierter Wahrnehmung: »Schauen. Bewerten. Die Bewertung anzweifeln. Dann weiterschauen.« Hierin berühren sich Randts literarische und seine Tagebuchtexte.

Bilder und ein Video ergänzten die ohnehin ungewöhnliche Präsentation der Texte: von Privatfotos aus der Kindheit über Kunst-Landschaftsaufnahmen und Fotografien der Love Parade in den 1990ern bis zu KI-Bildern. Randt bot dergestalt ein multimediales Panoptikum seines künstlerischen Schaffens.

»von außen angucken«

Seine Tätigkeit beschreibt Randt so:

»Texte, in den sich Figuren selbst von außen angucken, von außen angucken.
Und später davon erzählen, wie es sich anfühlt, diese Texte von außen anzugucken.
In etwa das ist mein Beruf.«

Im Anschluss an die Multimediadarbietung moderierte Prof. Dr. Stephan Kraft das Autorengespräch. Rand gab darin unter anderem Einblicke in die aktuell laufenden Dreharbeiten zur Literatur-Adaption von Allegro Pastell (angekündigt für 2025), für die er das Drehbuch geschrieben hatte.

Das Institut für deutsche Philologie bedankt sich beim Schelling-Forum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für die erneute Kooperation sowie beim zentralen Alumni-Verein der JMU für die finanzielle Unterstützung.

(Andreas Lugauer)