KI in der literaturwissenschaftlichen Hochschullehre
Zur Einführung
Künstliche Intelligenz (KI) verändert in radikaler Weise die Grundlagen unseres Lernens und wissenschaftlichen Arbeitens, allen voran in literaturwissenschaftlichen Fächern, die auf den Kulturtechniken des Lesens und Schreibens aufbauen. Damit rückt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Welche Rolle können und sollen KI-gestützte Verfahren in der akademischen Praxis einnehmen?
Große KI-Modelle (LLMs) können längst Texte erzeugen, analysieren und strukturieren – Fähigkeiten, die in direkter Beziehung zu den Gegenständen und Methoden unserer Disziplin stehen. Damit eröffnen sich in der Hochschullehre neue didaktische Möglichkeiten, zugleich aber auch Herausforderungen im Hinblick auf die in unseren Fächern vorausgesetzte wissenschaftliche Integrität und die kritische Reflexion von Sprache.
Die Literaturwissenschaften sind von den technologischen Entwicklungen der jüngeren Zeit besonders betroffen: KI hat hier nicht nur Auswirkungen auf die Methoden, sondern auch auf das Sujet – auf die literarischen Texte nämlich, die wir untersuchen und die unter Umständen KI-generiert sein können.
Schreiben fungiert in der Literaturwissenschaft nicht bloß als Mittel zur Kommunikation von Ergebnissen, sondern ist selbst integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung. Der Prozess des Formulierens, Umformulierens und sprachlichen Präzisierens ist immer auch interpretative Denkarbeit. Der Einsatz von KI im akademischen Schreiben berührt daher in der Literaturwissenschaft den methodologischen Kern des Fachs: die kritische Auseinandersetzung mit Sprache, Bedeutung und Textproduktion selbst.
Auf diesen Seiten versuchen wir, erste Antworten zum Umgang mit KI in der literaturwissenschaftlichen Lehre bereitzustellen und das Verhältnis zwischen KI und Literaturwissenschaft genauer zu beleuchten.
Hier erhalten Sie:
- einen Überblick über Einsatzmöglichkeiten von KI in Studium und Lehre,
- eine kritische Einordnung vorhandener Verfahren mit Blick auf datenethische und didaktische Kontexte,
- praktische Hilfen, Materialien und Beispiele für Studium, Lehre und Forschung.
Was Sie hier nicht erhalten:
- KI-basierte Verfahren sind für die Literaturwissenschaft in weiterer Hinsicht relevant: zum einen für die quantitative Analyse großer Textkorpora im Rahmen der Computational Literary Studies, zum anderen für die literarische Textproduktion, in der generative Modelle zunehmend kollaborative Formen menschlicher und maschineller Autorschaft ermöglichen. Diese beiden Bereiche werden auf dieser Seite bewusst nicht behandelt, da der Fokus auf Fragen nach Möglichkeiten und Grenzen des KI-Einsatzes in der Lehre liegt. Informationen zu den Computational Literary Studies finden Sie auf den Seiten des Lehrstuhls für Computerphilologie und Literaturgeschichte; weiterführende Hinweise zu generativer KI-basierter Literatur finden Sie auf der Seite des Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medien.
Zitierempfehlung
Catani, S., Sandrock, K. (2025). KI in der literaturwissenschaftlichen Hochschullehre. Julius-Maximilians-Universität Würzburg. https://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/ndl1/forschung-projekte/ki-in-der-literaturwissenschaftlichen-hochschullehre.
