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    Lehrstuhl für neuere deutsche Literaturgeschichte

    Lugauer

    Andreas Lugauer

    Dissertationsthema: Die kleinen Formen Eckhard Henscheids (Neue Frankfurter Schule). Studien zur Adorno- und Romantik-Rezeption

    Abstract

    • Der Schriftsteller Eckhard Henscheid gehört der Neuen Frankfurter Schule (NFS) zu. Das ist eine lose Assoziation von Schriftsteller:innen, Zeichner:innen und Maler:innen, die Komik produzieren und deren Zentralorgan das Satiremagazin Titanic ist.

      Die Frage der Arbeit lautet: Wie schlagen sich Henscheids Beschäftigung mit der Kritischen Theorie Adornos sowie mit der literarischen Romantik in seinen kleinen Formen nieder? Inhaltsorientiert untersuche ich dies nach Gérard Genettes Konzept der Transtextualität, einer Form der hermeneutisch-strukturalistischen Intertextualitätstheorie. Formorientiert untersuche ich, inwiefern Adornos und/oder die frühromantische Fragmentarik Niederschlag finden.

      Das Korpus der kleinen Formen aus Henscheids Werk umfasst Texte, die überwiegend in den 1980er und ‑90er Jahren erschienen sind, vereinzelt auch in den 2000er und 2010er Jahren. Es handelt sich um Kurzprosa in Sammlungen von Kurzessays, Polemiken und Pasquillen, fiktionalen anekdotischen Minimalerzählungen, Literaturkritiken und reflexiver Aufzeichnungsprosa feuilletonistischer und autobiografischer Art.

      Henscheid pflegt sowohl mit der Kritischen Theorie Adornos als auch mit der literarischen Romantik produktiven, aktualisierenden Umgang. Sein Verhältnis zu Adorno changiert zwischen Affirmation und Angriff. Geschult an Adornos Schriften geht er mit überwiegend komischen Mitteln gegen die verbreitete Tendenz vor, Adorno als unantastbares Genie zu lesen. Seine kleinen Formen sind geprägt vom omnipräsenten Gestus der Überlegenheit – die indes selbstreflexiv-kritisch gebrochen ist. Daraus soll der Begriff von Henscheids ›romantischer Ironie‹ entwickelt werden: Während diese bei Friedrich Schlegel bekanntermaßen die Paradoxie von Universalanspruch und Unabschließbarkeit bezeichnet, handelt es sich bei Henscheid um die Paradoxie von Universalanspruch der eigenen Überlegenheit und Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit.

      Das Forschungsvorhaben ist erstens ein Beitrag zur Henscheid- und zur NFS-Forschung, die beide noch kaum vorhanden sind. Zweitens soll es die Rezeptionsforschung zu den Themenbereichen »Romantik« und »Adorno« ergänzen. Drittens ist das Projekt eine Auseinandersetzung mit der literaturwissenschaftlich virulenten Frage nach der Relevanz der kleinen Form in Literatur und Kultur der Gegenwart. Viertens besteht Anschluss an die Philosophie der Essayistik und Fragmentarik.

    CV

    seit 10/2021:

    Universität Würzburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte

    2017–2020:
     

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Master »Ethik der Textkulturen«

    2013–2017:
     

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Bachelor Germanistik und Philosophie

    *1986