Intern
    Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte

    Ausschreibung

    Ausschreibung
    30 Stipendien für fortgeschrittene Masterstudierende, Doktorand*innen und Postdocs

    Würzburg Winter School
    Konfigurationen der Mobilität: Transition – Transformation – Transgression
     24.–28.02.2020
    Philosophische Fakultät, JMU Würzburg
    Gefördert durch die VolkswagenStiftung

    --- Please see English version below ---

    Mobilität hat sich seit der letzten Jahrtausendwende auf internationaler Ebene zu einem interdisziplinären Forschungsparadigma entwickelt. Im deutschsprachigen Raum konzentriert sich die Erforschung von Mobilität dabei bislang vornehmlich auf globale Migrationsprozesse, räumliche Bewegung, das Phänomen der (Un-)Beweglichkeit sowie das Gesamtensemble infrastruktureller, informationeller, politischer und juridischer Faktoren, die Formen menschlicher Bewegung bedingen.

    Die Würzburg Winter School Konfigurationen der Mobilität: Transition – Transformation – Transgression erweitert diese Blickwinkel um Ansätze aus der Narratologie und der Sozialgeographie sowie der jungen Wissenschaftsfelder der Cultural Animal Studies, der Multispecies Ethnography und der (literaturwissenschaftlichen) Materialitätsforschung. Gleichzeitig schafft sie mit der Frage danach, wie das Erzählen als kulturelle Praxis und künstlerische Ausdrucksform unser Verständnis von Mobilität konfiguriert, einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die fachübergreifende, vergleichende Auseinandersetzung mit Mobilität. Diese neuartige Kombination verspricht einen doppelten Erkenntnisgewinn: Erstens erlaubt sie, das Verhältnis zwischen der Mobilität von Menschen, Tieren und Artefakten neu zu bestimmen und mit der Funktion des Erzählens, das dieses Verhältnis mitgestaltet, in Beziehung zu setzen. Auf diese Weise können, zweitens, ästhetische, räumliche und zeitliche Dimensionen menschlicher und nichtmenschlicher Mobilität ausgelotet und mit Formen und Effekten narrativer Repräsentation, Reflexion und Modifikation von Mobilität in Verbindung gebracht werden. Ziel ist dabei, insbesondere nach der transitorischen, transformativen und transgressiven Qualität von Mobilität zu fragen, die in narrativen Konfigurationszusammenhängen in Erscheinung tritt.

    Die Würzburg Winter School bietet ausgewählten Nachwuchswissenschaftler*innen die einzigartige Möglichkeit, ihre Projekte zur Mobilitäts- und Migrationsforschung in einem übergreifenden theoretischen Rahmen neu zu perspektivieren. Dabei gilt es, die Organisation und Gestaltgebung als Konfiguration von Bewegungs- und damit verbundenen Veränderungsprozessen durch und in Erzählungen als disziplinverbindendes Strukturmerkmal in den Blick zu nehmen. Erzählungen, in denen Bewegung, Bewegungsrahmen und Beweglichkeit von menschlichen und nichtmenschlichen Akteur*innen medial vermittelt und figurativ dargestellt werden, sind in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ein zentraler Gegenstand, von dem ausgehend Erkenntnisse über mobilitätsspezifische Merkmale gewonnen werden. Zu untersuchen ist demzufolge, (1) wie räumliche Bewegungen von Körpern (Menschen, Tiere, Dinge) als geographisch erfassbare Phänomene zur Anschauung gebracht werden, (2) welche sozialen, technischen und infrastrukturellen Arrangements diese Bewegungen überhaupt erst ermöglichen, und (3) inwiefern diese Möglichkeiten wiederum mit Chancen und Handlungsoptionen der mobilen und mobil gemachten Akteur*innen verknüpft sind.

    Die Würzburg Winter School widmet sich den Konfigurationen von Mobilität u.a. in Form von Keynote-Vorträgen (Prof. Peter Adey, London; Somayeh Dodge, Ph.D., Santa Barbara; Prof. Dr. Birgit Neumann, Düsseldorf), künstlerischen Arbeiten (Dr. Susanne Schmitt, München), einer literarischen Lesung, einer Filmvorführung sowie in Form von Forschungsposter-Präsentationen und ausgehend von theorie- und themenspezifischen Arbeitsgruppen. Die Arbeitssprache der Workshops ist Deutsch, die Keynotes werden auf Englisch gehalten. Wir möchten fortgeschrittene Masterstudierende, interessierte Doktorand*innen und Postdocs aus Deutschland sowie aus anderen europäischen und außereuropäischen Ländern dazu einladen, sich für einen der folgenden Themenworkshops zu bewerben:

    Transition (Dr. des. Frederike Middelhoff, DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Imaginarien der Kraft“, Universität Hamburg / Dr. Sara Asu Schroer, Department of Anthropology, University of Aberdeen): Der Workshop untersucht die zeitlichen Dimensionen von Mobilität und Bewegungsnarrationen mit einer kulturanthropologischen, literaturwissenschaftlichen und durch die Cultural Animal Studies und die Multispecies Studies informierten Blickrichtung. Die Aufmerksamkeit gilt hier dem Element des Fluiden, Fluktuierenden und Flüchtigen, das mit dem Phänomen ‚Mobilität‘ und seinen narrativen Konfigurationsspektren verbunden ist. Dabei sind im Einzelnen sehr viele unterschiedliche thematische Felder bedeutsam: Von diversen Temporalitäten der Mobilität (z.B. pflanzlichen Lebens im Kontext der Plant Studies, des Zugverhaltens verschiedener Schwarmtiere, etc.), über Metamorphosen (z.B. in der kulturwissenschaftlichen Insektenforschung) oder dem Vergehen und Verschwinden von Arten, bis hin zu spezifischen Räumen und Kontaktzonen wie Luft oder Wasser. Nicht zuletzt stehen die Flüchtigkeit und Veränderlichkeit des Erzählens selbst als eine Transition reflektierende Praxis im Fokus. Maßgeblich ist dabei ein breiter Erzählbegriff, der Bilder ebenso einschließt wie Formen alltäglicher Erzählungen.

    Transformation (Leitung: PD Dr. Katrin Dennerlein, Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte I, Würzburg // Prof. Dr. Annegret Pelz, Alfred Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald / Mobile Kulturen und Gesellschaften, Universität Wien): Im Zentrum des Workshops steht die Analyse und Theoretisierung des Zusammenspiels von Textmobilität und Transformationsprozessen. Es geht um Formen der Bewegung, des Transports und der Portabilität und deren Einfluss auf die Ästhetik von Texten und deren kulturelle Kontexte. Forschungsgegenstände sind portable papierene Medien und Textsorten wie Alben, Reiseberichte und Reisetagebücher und deren Umgang mit ready mades und kleinen beweglichen Formen sowie narrative und dramatische Werke, die durch ihre Distribution verfügbar werden, in neuen Fassungen häufig die Gattung wechseln und Transformationen des literarischen oder außerliterarischen Feldes nach sich ziehen.

    Transgression (Leitung: Dr. Arnika Peselmann, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie / Volkskunde, JMU Würzburg // M.A. Felix Remter, Institut für Ethnologie, LMU München): Dieser vornehmlich sozialgeographisch sowie kulturanthropologisch orientierte und mit den Impulsen aus der Multispecies Ethnography arbeitende Themenworkshop widmet sich dem Problemfeld räumlicher Grenzziehungsmechanismen. Es wird untersucht, inwiefern die Mobilität (nicht-)menschlicher Akteur*innen diese Grenzlinien modifiziert und subvertiert. Die Konflikthaftigkeit, die mit der Überschreitung räumlich definierter Ordnungen verbunden ist und die sich in Erzählungen von als transgressiv gedeuteter Mobilität manifestiert, steht im Fokus des Workshops. Solche Narrative können sowohl ordnungsstabilisierend wirken als auch räumliche Neuordnungen begleiten; sie vermögen Grenzen zu ziehen, können diese aber auch durchkreuzen. Gegenstand des Workshops sind dabei u.a. narrative Konfigurationen zu unerwünschten Mobilitäten, wie sie nicht nur im Kontext ‚invasiver Arten‘ und von Pathogenen (z.B. die Varroamilbe oder der Erreger der Schweinepest) deutlich werden, sondern auch von kriminalisierten menschlichen Migrationsformen.

    Erbeten werden Bewerbungen von Literatur-, Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaftler*innen, die sich in ihren Projekten und Forschungsvorhaben mit mobilitätsspezifischen Fragestellungen beschäftigen. Die Bewerbung sollte im Sinne eines Motivationsschreibens Angaben zur Verbindung des eigenen Forschungsvorhabens mit dem Thema der Würzburg Winter School und dem Schwerpunkt der gewünschten Arbeitsgruppe enthalten (max. 1 DIN A4 Seite). Erforderlich ist zudem ein tabellarischer Lebenslauf und (soweit vorhanden) eine Publikationsliste. Bitte senden Sie die Bewerbung (Bewerbungsschreiben, Arbeitsgruppenwunsch, Lebenslauf, Publikationen) bis zum 22.12.2019 als ein PDF-Gesamtdokument an: configurations.of.mobility2020@gmail.com. Es wird erwartet, dass die ausgewählten Stipendiat*innen an der gesamten Veranstaltung teilnehmen (Mo–Fr). Weitere Informationen zum Programm und den Workshops können in Kürze hier nachgelesen werden: https://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/ndl1/winter-school/.

    Die Winter School wird durch die VolkswagenStiftung gefördert. Übernommen werden für die ausgewählten Teilnehmenden die Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten für den Zeitraum der Veranstaltung. Organisiert wird die Winter School von PD. Dr. Katrin Dennerlein (Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte I, JMU Würzburg), Prof. Dr. Michaela Fenske (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie / Volkskunde, JMU Würzburg), Dr. des. Frederike Middelhoff (DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Imaginarien der Kraft“, Universität Hamburg), Dr. Arnika Peselmann (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie / Volkskunde, JMU Würzburg.

     

    Call for applications
    30 scholarships for advanced MA students and early career researchers
    (Ph.D. candidates, Postdocs)

    Würzburg Winter School
    Configurations of Mobility: Transition – Transformation – Transgression
    24–28 February 2020
    Faculty of Philosophy, Julius-Maximilians-University Würzburg
    Funded by the Volkswagen Foundation
     

    Mobility has become an interdisciplinary paradigm in academic research since the last turn of the century. In German-speaking contexts, the study of mobility has mainly been focused on global migration, spatial movements and the infrastructural, political, and juridical conditions defining human movements.

    The Würzburg Winter School Configurations of Mobility: Transition – Transformation – Transgression extends these perspectives with approaches from social geography, narratology and the emergent fields of cultural animal studies and multispecies ethnography. At the same time, the question of how storytelling as a form of cultural practice and artistic expression serves to configure our understanding of mobility is posed as a common point of departure for a comparative, interdisciplinary engagement with mobility. This innovative combination promises two insights: firstly, it allows the re-estimation of how forms of human, animal, and object mobility may interrelate and an inquiry into how storytelling may influence these relationships. Secondly, it makes the exploration of the aesthetic, spatial and temporal dimensions of human and nonhuman mobility possible and connects them to how narratives represent, reflect and modify what is known as mobility. The goal is to fathom the transitional, transformative and transgressive quality of narrative configurations of mobility.

    The Würzburg Winter School offers early career researchers working on projects related to mobility and migration the unique opportunity to develop new perspectives in a transdisciplinary theoretical setting. The focus of the Winter School will be on the organisation and formation of movements and the subsequent changes through and in narrative (configurations). Stories enable crucial insights into eminent features of mobility as they mediate and give shape to movements, infrastructures of movements and motility of human and nonhuman actors and have, thus, become an important research object in the Humanities. We, therefore, aim to investigate (1) how spatial movements of bodies (humans, animals, things) become intelligible, (2) how social, technical and infrastructural arrangements enable these movements and (3) how these arrangements, in turn, are connected to the actors’ opportunities and options for action.

    German is the working language in the seminars, the keynotes are delivered in English. The Würzburg Winter School engages with configurations of mobility in various formats: keynotes (Prof. Peter Adey, London; Somayeh Dodge, Ph.D., Santa Barbara; Prof. Dr Birgit Neumann, Düsseldorf), art scenes (Dr Susanne Schmitt, Munich), a public literary reading, a film screening, project poster presentations, theory seminars and thematically specific workshops. We invite advanced MA students and interested Ph.D. candidates and postdocs from Germany, Europe and outside Europe to apply for one of the following workshops.

    Transition (Organised by Dr des. Frederike Middelhoff, DFG Center for Advanced Studies “Imaginaria of Force”, University of Hamburg, and Dr Sara Asu Schroer, Department of Anthropology, University of Aberdeen): The workshop investigates the temporal dimensions of mobility in and beyond narratives with a perspective informed by cultural anthropology, literary studies, cultural animal studies and multispecies studies. Elements of fluidity, fluctuation and volatility inextricably linked to the phenomenon of ‘mobility’ and its spectrum of narrative configuration will be the focus of this workshop. In this respect, a number of fields and dimensions are important: from different temporalities of mobility (e.g. plant life, migratory movements of various species) and metamorphoses (e.g. in cultural studies of insects and entomology), on the one hand, to the disappearance and extinction of species and specific spaces and contact zones, such as air and water, on the other hand. Finally, it is the transience and ephemerality of narration and storytelling which is reflected as part of this seminar. We adopt a broad concept of narration which also includes images and forms of everyday storytelling.

    Transformation (Organized by PD Dr Katrin Dennerlein, Department of New German Literary History I, JMU Würzburg // Prof. Dr Annegret Pelz, Alfred Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald / Mobile Kulturen und Gesellschaften, University of Vienna): The workshop aims to study the interplay between the mobility of texts and related processes of transformation. We will investigate forms of movement, transport and portability and the influence on these mobilities with regard to the aesthetics of texts and their cultural contexts. The workshop focuses on portable paper media, albums, travel reports and travel diaries and explores how these works deal with ready mades and small mobile forms. Furthermore, it analyses how narrative and dramatic works become available only in the process of their distribution, how texts change shape or genre when turning into new editions and how they transform the literary field and other sociocultural contexts in the wake of their own metamorphoses.

    Transgression (Organised by Dr. Arnika Peselmann, Department of European Ethnology, JMU Würzburg, and Felix Remter, M.A., Department of Ethnology, LMU Munich): The workshop takes up impulses from social geography, cultural anthropology and multispecies ethnography to explore the issue of borders, their spatial demarcation and other related mechanisms. The main objective is to investigate how human and nonhuman mobility affects, modifies and subverts these borders. We will examine the conflicts provoked by transgressions of spatially defined orders. These conflicts often become manifest in narratives which interpret mobility in terms of transgressive movements. Such stories can stabilize existing spatial orders or provoke new ones; they can draw but also undermine border lines. Therefore, the workshop pays particular attention to narrative configurations of undesired mobilities, not only in the context of ‘invasive species’ (e.g. the varroa mite or the pathogen related to swine fever) but also in representations criminalizing human migrants.

    We ask applicants with a background in literary studies, cultural studies, social studies or the natural sciences working on or a planning to work on projects related to mobility to submit a letter of motivation, the workshop they wish to attend, a short academic CV and a list of publications (if available). The letter of motivation (max. 1 DIN A4 page) should include information about the applicant’s ongoing/planned project and the connection to the theme of the Würzburg Winter School. Please send your application (letter of motivation, workshop requested, CV, publications) in one PDF file to configurations.of.mobility2020@gmail.com. The deadline for applications is Sunday, 22nd of December 2019. We expect successful applicants to attend the Winter School for the entire week (Mo–Fri). Further information about the programme and the workshops will soon be available at: https://www.germanistik.uni-wuerzburg.de/ndl1/winter-school/.

    The Winter School is generously funded by the Volkswagen Foundation. Accommodation and meals are covered for participants and travel costs will be reimbursed after the event. The event is organised by Prof. Dr Katrin Dennerlein (Department of New German Literary History I, JMU Würzburg), Prof. Dr Michaela Fenske (Department of European Ethnology, JMU Würzburg), Dr des. Frederike Middelhoff (DFG Center for Advanced Studies “Imaginaria of Force”, University of Hamburg) and Dr Arnika Peselmann (Department of European Ethnology, JMU Würzburg)