piwik-script

Deutsch Intern
Institut für deutsche Philologie

Pressemitteilung (10.11.2010)

25 Jahre Werkstattgespräche: Lesung mit Norbert Gstrein und Ausstellungseröffnung am 01.12.2010, 19.00 Uhr, Universitätsbibliothek Würzburg Am Hubland, Foyer

Seit 25 Jahren laden die Germanistik der Universität Würzburg gemeinsam mit der Universitätsbibliothek zu Werkstattgesprächen mit zeitgenössischen Autoren ein. Der Einladung folgten zahlreiche Schriftsteller von Carl Amery bis Hans Wollschläger. Aus Anlass des Jubiläums findet am 01.12.2010 das 74. Werkstattgespräch statt - diesmal mit dem Autor Norbert Gstrein. Außerdem wird im Anschluss an die Lesung eine Ausstellung in den Räumen der Universitätsbibliothek eröffnet, die mit Fotos und kurzen Texten an die zahlreichen, zumeist gut besuchten Gespräche erinnert.

Norbert Gstrein wird aus seinem neuesten Roman Die ganze Wahrheit lesen, der vor wenigen Monaten bei Hanser erschien. Nach seinem Aufsehen erregenden Debüt, der Erzählung Einer (1988), etablierte sich Gstrein seit den 1990er Jahren als ein Autor, der mit bemerkenswerter stilistischer Präzision Fragen der Beziehung von Fakten und Fiktionen nachgeht. In Die englischen Jahre (1999) erzählt er die Geschichte eines Exilanten, der eine jüdische Identität angenommen hat, sowie einer Spurensuche nach seinem Tod, die diesen Schwindel entlarvt. Der vieldiskutierte Roman Das Handwerk des Tötens (2003) thematisiert in seiner komplexen Erzählsituation die Schwierigkeiten vom Krieg zu erzählen. Gstreins neuestes Werk mit dem ironischen Titel Die ganze Wahrheit wurde in der Presse kontrovers besprochen, weil es sich recht deutlich und ausgesprochen kritisch auf das Buch Überlebnis der Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz bezieht, in dem sie vom Tod ihres Mannes, des Verlegers Siegfried Unseld berichtet. Gstrein hat aber gerade keinen Schlüsselroman geschrieben, sondern geht auch hier wieder der Frage nach Wem gehört eine Geschichte? wie der Titel einer seiner wichtigsten poetologischen Publikationen lautet. Der Roman kontrastiert den Versuch der Ehefrau eines Wiener Verlagschefs, die Lebensgeschichte ihres verstorbenen Mannes und insbesondere sein Sterben ihrer absoluten Deutungshoheit zu unterwerfen, mit dem eher zaghaften Widerstand eines Lektors dieses Verlags, der seine Gegengeschichte erzählt. Dabei gelingt es dem Text, die zahlreichen anderen Geschichten, die ebenfalls erzählt werden könnten, zumindest anzudeuten.  

Im Anschluss an die Lesung wird eine Ausstellung zu den 25 Jahren Werkstattgesprächen mit einem Vortrag von Prof. Dr. Günter Hess eröffnet, der die Gespräche lange Zeit organisiert hat. Die Ausstellung, konzipiert und eingerichtet von Katharina Boll (UB Würzburg), zeigt Fotos der Lesungen und präsentiert dazu Zitate und knappe biographische Informationen. Sie ist bis zum 16.01.2011 in der Universitätsbibliothek Würzburg zu sehen.

Prof. Dr. Fotis Jannidis