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    Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte

    Novellengeschichte der literarischen Kommunikation im 19. Jahrhundert (Habilitationsprojekt)

    Das Projekt soll die Entwicklung der deutschsprachigen Novellen des 19. Jahrhunderts so rekonstruieren, dass Textbestände in großem Umfang und die literarische Kommunikation der Zeit angemessen berücksichtigt werden. Im Anschluss an wegweisende ältere Forschung ist davon auszugehen, dass die Novelle vor 1890 keine Gattung im Sinn der traditionellen Gattungstheorie ist; denn sie bezeichnet keine Textsorte, keine Klasse, nicht einmal einen Prototyp oder einen Zusammenhang relativ ähnlicher Texte. Man kann deshalb, wie bereits Pabst (1967), Polheim (1981) oder Meyer (1987) zu dem skeptischen und durchaus plausiblen Schluss gelangen, dass es die Gattung Novelle schlicht nicht gebe. Eine Novellengeschichte wäre dann hinfällig. Doch die Sachlage ist interessanter: Denn seit etwa 1800 konsolidiert sich das Bestreben um eine poetologische Feststellung des Novellenbegriffs, die dann ab 1870 in der Epoche des Realismus in eine erfolgreiche Positionierung des Konzepts ›Novelle‹ als deutsche Nationalgattung mündet. Wir haben es also mit dem Willen zur Gattungshomogenität bei gleichzeitiger Heterogenität der Textproduktion zu tun. Dies ist das eigentlich erklärungsbedürftige und deshalb für das Projekt interessante Phänomen. Der Vorwurf ›Viel Masse, wenig Klasse‹, den man dem Biedermeier gerne macht, sollte nicht länger als Grund vorgeschoben zu werden, diese Masse ganz zu ignorieren; denn die Kenntnis der Masse dient nicht nur einer sozial- und mediengeschichtlichen Wissenserweiterung, sondern ist auch erforderlich, um die literaturgeschichtlichen Prozesse zu verstehen, in denen Regeln für die nachfolgende ›Hochliteratur‹ des Realismus, des Naturalismus und der Moderne bereitgestellt werden. Die Entwicklung eines integrativen Instrumentariums mit quantitativen und qualitativen Verfahren (mixed-methods-Ansatz) ist deshalb gerade für die Rekonstruktion der Textproduktion der Biedermeierzeit attraktiv. Zudem hat ein solcher Ansatz auch methodologisch gute Aussichten, die veralteten literaturgeschichtlichen Hypothesen von der vermeintlichen homogenen Struktur und der einfachen Definierbarkeit der Novelle (mittels der Schlagwörter ›Wendepunkt‹, ›Falkenmotiv‹, ›Schwester des Dramas‹, ›unerhörte Begebenheit‹ usw.), die sich als unhaltbar erwiesen haben, durch empirisch besser fundierte, aber eben deutlich komplexere und kontextrelative Erkenntnisse zu ersetzen.

    Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Forschungsfonds der Philosophischen Fakultät Würzburg.

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    Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte
    Am Hubland
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