Computergestützte literarische Gattungsstilistik (CLiGS)

Die weltweit vorangetriebene Digitalisierung des kulturellen Erbes hat im Bereich der Volltextdigitalisierung inzwischen einen Umfang erreicht, der neue methodische Zugänge zu literaturwissenschaftlichen Fragestellungen ermöglicht und erfordert, woraus zugleich neue Fragestellungen entstehen. Dabei gilt allerdings gegenwärtig, dass zwischen den Praktikern computergestützter Textanalyse und den hermeneutisch arbeitenden Literaturwissenschaftlern eine gewisse Distanz besteht.

Daher ist es die übergeordnete Zielsetzung der Nachwuchsgruppe „Computergestützte literarische Gattungsstilistik“, eine methodische Konvergenz herzustellen zwischen neuesten Verfahren der quantitativen Analyse literarischer Texte einerseits und grundlegenden literaturwissenschaftlichen Fragestellungen aus dem Bereich der Gattungstheorie und der Stilistik andererseits. Eine solche Konvergenz herzustellen, bedeutet konkret, dass zwei Arten von Wissen in Beziehung zueinander gesetzt werden müssen: Wissen über historische oder fachwissenschaftliche Kategorisierungen (Theorie und Geschichte der literarischen Gattungen und stilistischer Phänomene) einerseits, und Wissen über die Kategorien und Differenzierungen, die sich aus der quantitativen Analyse stilistischer Merkmale (unterschiedlicher Ebene, Komplexität und Kombination) ergeben, andererseits.

Das Projekt geht von etablierten literaturwissenschaftlichen Fragestellungen grundlegender Bedeutung aus, allerdings von Anfang an in der Perspektive einer computergestützten Methodik. Ziel ist es, die literaturwissenschaftlichen Fragestellungen durch eine Kombination umfangreicher Textdaten, innovativer Analysemethoden und hermeneutischer Kontextsensibilität auf neuer Grundlage und mit einem neuen Blick beantworten zu können. Dies wird anhang mehrerer umfangreicher Textsammlungen aus dem Bereich des französischen Theaters der Klassik und Aufklärung sowie des französischen und spanischen Romans des 19. Jahrhunderts unternommen. Die Gruppe ist in der romanistischen Literaturwissenschaft angesiedelt sein und wird dazu beitragen, dass romanistische Nachwuchswissenschaftler/innen einschlägige Kompetenzen im Bereich neuester computergestützte Methoden erwerben können.